Kreisfeuerwehrtag mit Komandantendienstversammlung in Zochenreuth (Landkreis Bayreuth)

Montag, 31. Mai 2010 um 00:00 Uhr

Dem schlechten Wetter zum Trotze hatte sowohl die gastgebende Wehr Zochenreuth, die Führungskräfte des Landkreises wie auch die Teilnehmer am Festzug bewiesen, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes wetterfest und für die Zukunft bestens gewappnet sind.

Die Freiwilligen Feuerwehren sind seit mehr als 150 Jahren unverzichtbarer Bestandteil eines Hilfeleistungssystems, das flächendeckend und rund um die Uhr jedem beisteht, der in Not und Gefahr geraten ist, brachte es Landrat Hübner auf den Punkt. Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen des Bundesrats, wonach der §113 des Strafgesetzbuches geändert werden soll zum Schutze von Einsatzkräften der Polizei, aber auch von Hilfs- und Rettungsorganisationen, fand Landrat Hermann Hübner deutliche Worte. Vorkommnisse, bei denen Rettungskräfte massiv bei ihrer Tätigkeit behindert oder angegriffen werden, mehren sich und lassen dem Gesetzgeber keine andere Alternative, als die Strafandrohung für solche Handlungen empfindlich zu verschärfen. Wenn Helfer Opfer von Gewalt werden, müsse es harte Gesetze und empfindliche Strafen geben, so der Landrat unter dem Beifall der Versammlung.

Mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe in Polen und die anstehende Gefährdung in Brandenburg signalisierte Landrat Hübner die Möglichkeit, dass auch die von Stadt und Landkreis Bayreuth aufgestellten, überörtlichen Hilfeleistungskontigente "Sandsäcke" oder "Pumpen" zur Unterstützung angefordert werden könnten. Der THW Ortverband Pegnitz war am Samstag mit einigen Kräften bereits nach Polen aufgebrochen, um dort eingesetzte Kräfte abzulösen.

Große aktuelle Themen wie die Einführung der Integrierten Leiststelle ( ILS ), des digitalen Funks sowie die Führerscheinproblematik beschäftigten die Verantwortlichen aus Politik und Feuerwehr in hohem Maße.

Ebenfalls auf hohem Niveau zeichnet sich die Einsatzstatistik aus dem Jahre 2009 ab. Insgesamt wurden die 196 Landkreisfeuerwehren zu 1.025 Einsätzen alarmiert. Auffallend sei hierbei der verhältnismäßig geringe Anteil der technischen Hilfeleistungen mit 566 Einsätzen ( rund minus 20 % gegenüber dem Vorjahr). Im Gegenzug weist die Statistik bei den Bränden einen Anstieg um 67 Einsätze bzw. ein Plus von mehr als 45 % aus. Obgleich dies zahlreiche, schwierige Einsätze waren, wurde der Landkreis im vergangenen Jahr erfreulicherweise von echten Katastrophen verschont. Dennoch müsse man personell, materiell und organisatorisch darauf eingestellt sein, dass es jederzeit zu großflächigen Schadensereignissen kommen könne, so Landrat Hübner.

Der vom Landkreis und den Kommunen gegenüber den Bürgern wahrgenommenen Sorgfaltspflicht hat man sich unter anderem mit dem seit vielen Jahren aufgestellten überörtlichen Gerätebeschaffungsplan angenommen. Im vergangenen Jahr seien dies rund 190.000 Euro für die Beschaffung von Hilfeleistungslöschfahrzeugen und Löschgruppenfahrzeugen für die Feuerwehren Altenplos, Glashütten, Hollfeld, Hummeltal und Pottenstein gewesen. Die Gesamtsumme der Investitionen lag bei weit mehr als einer Million Euro. Seit Beginn der mittelfristigen Bedarfsplanung vor 29 Jahren wurden auf dieser Grundlage rund 27,5 Millionen Euro verwirklicht.
Der Landkreis hat somit rund sechs Millionen Euro an Fördermitteln für die Sicherheit seiner Bürger gewährt, so Landrat Hübner. An dieser Förderpraxis werde man möglichst festhalten, der Kreistag trage dieses Konzept mit großer Mehrheit.

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Den Kern einer Neukonzeption bilden zunächst drei, später vier Stützpunktwehren, die mit Wechselladerfahrzeugen ausgestattet werden sollen. Diese Fahrzeuge werden, abhängig vom Schadensbild, jweils einen von zwölf verschiedenen Abrollbehältern zur Einsatzstelle bringen. So wird sicher gestellt, dass für jeden Einsatzzweck schnellstmöglich das geeignete Einsatzmittel vor Ort eintrifft. Auf den Abrollbehältern werden in erster Linie Geräte und Löschmittel vorgehalten, die derzeit im Landkreis noch nicht vorhanden sind. Darüber hinaus stellt auch die Bezuschussung von zwei weiteren Drehleitern einen wichtigen Meilenstein zur Optimierung der flächendeckenden Versorgung mit Hubrettungsgeräten dar. Die vom Kreistag ursprüngliche veranschlagte Fördersumme soll hierfür nochmals erheblich aufgestockt werden, so Hermann Hübner.

Kreisbrandrat Hermann Schreck brach eine Lanze für die landkreisübergreifende Zusammenarbeit aller Hilfs- und Rettungsorganisationen in der Zukunft. Er stehe mit seinem Wort für ein Miteinander, ohne jegliches Kirchturmdenken. Man praktiziere dies, unter anderem im Hinblick auf die künftige Integrierte Leitstelle Bayreuth-Kulmbach, seit einigen Jahren intensiv. Man wolle dies weiter ausbauen, offen und ohne Vorbehalte aufeinander zugehen, die Vertrauensbasis stärken, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam die Alarmierung der Zukunft gestalten.

An allen Einsatzstellen sei stets umsichtig, zielstrebig, professionell und ruhig gearbeitet worden, so der Chef von rund 7800 Feuerwehrleuten im Landkreis Bayreuth. Vor allem die landkreiseigene Ausbildungsinspektion trage hierzu einen wichtigen Teil bei, ebenso wie die Feuerwehrschulen. Aufgrund personeller Abwanderung und teilweiser veralteter Technik sei aber eine Umstrukturierung der bayerischen Feuerwehrschulen unumgänglich, so Schreck im Hinblick auf fehlende Lehrgangskapazitäten und abgesagte Lehrgänge. Ausbildung, Infrastruktur, Personal und Organisation stünden auf dem Prüfstand. Themen wie e-learning stünden auf dem Programm von gegründeten Arbeitsgruppen.

Hohen Respekt und Dank zollte Schreck der Facharbeit im Kreisfeuerwehrverband, allen voran der Jugendarbeit und der Brandschutzerziehung. Durch deren Arbeit werden Brandstiftungen durch Kinderhand weiter rückläufig, wie aktuelle Statistiken belegen.

Die Themen "Integrierte Leitstelle", "Alarmierungsbekanntmachung" und "Notfallseelsorge" werden in den nächsten Monaten alle Kräfte der Verantwortlichen bündeln.

Offiziell gestartet wurde anlässlich der Dienstversammlung das Pilotprojekt "Rettungskarten". KBM Andreas Mahlert aus Pegnitz ist ab sofort mit einem vom Kreisverband beschafften, stoß- und wasserfesten Laptop ausgerüstet, der mit einer Spezial-Software ausgestattet ist. Diese ermöglicht es, an der Einsatzstelle detaillierte Informationen über technische Daten eines PKW´s wie etwa Airbag, Position der Batterie und sonstige einsatzrelevanten Details abzurufen, die vom ADAC zur Verfügung gestellt werden. Erhebliche Risikofaktoren für verunfallte Personen und Rettungskräfte können somit minimiert werden. Hintergrund ist die vom ADAC geforderte Pflicht, diese Informationen in Form einer "Rettungskarte" herstellerseits beispielsweise in der Sonnenblende eines jeden Fahrzeugs anzubringen. Bisher ist dies freiwillig.

Zum Schluss seiner Ausführungen dankte Kreisbrandrat Hermann Schreck den Gemeinden sowie dem Landrat mit Kreistag, allen Mitstreitern, den Feuerwehrleuten. Er zeigte sich zuversichtlich, dass trotz großer Herausforderungen im Feuerwehrbereich, in einer vom Wandel geprägten Zeit, die Feuerwehren ihren herausgehobenen Platz in der Gesellschaft behalten. Die Tugenden "Hilfsbereitschaft, Freiwilligkeit und Uneigennützigkeit" seien dort bewahrt.

Der nächste Kreisfeuerwehrtag findet vom 22. bis 24. Juli 2011 in Bischofsgrün statt.

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Text und Bild: Kreisfeuerwehrverband Bayreuth e.V.



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