Spatenstich für "Wohngemeinschaft" von Leitstelle und Feuerwehr
BRK und Feuerwehr Bayreuth bauen gemeinsam an die Feuerwache Bayreuth an
Mittwoch, 24. März 2010 um 14:30 Uhr
Erster Rammschlag, erster Baggerbiss, Grundsteinlegung oder Spatenstich. Es gibt viele regional geprägte Begrifflichkeiten für den Baubeginn von zumeist öffentlichen Bauten. Am heutigen Tage wurde
neben dem symbolischen Spatenstich als ein Meilenstein des gemeinschaftlichen Bauprojektes, gleichzeitig auch der Grundstein für eine neue Ära in der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr
gelegt.
V.l.n.r. Leiter des Hochbauamtes Baudirektor Norber Will, Stv. BRK Vorsitzender und Landrat Hermann Hübner (Landkreis Bayreuth), Oberbürgermeister und
Vorsitzender des ZRF Bayreuth/Kulmbach Dr. Michael Hohl, Landrat Klaus Peter Söllner (Landkreis Kulmbach), BRK Kreisgeschäftsführer Peter Herzing, Geschäftsleiter des ZRF Amtsrat Harald Burkhardt
beim ersten Spatenstich.
Künftig wird an diesem Ort neben dem Erweiterungsbau der Feuerwache Bayreuth auch die Integrierte Leitstelle Bayreuth/Kulmbach ihren Sitz haben. Sie ist damit eine von insgesamt 26 Integrierten
Leitstellen (kurz ILS) in Bayern. Dieser Verbund von ILSen wird künftig zusammen mit zehn Polizeieinsatzzentralen die ehemals feingliedrige Struktur von insgesamt 337 (!) getrennten
Alarmierungsstellen in Bayern ersetzen.
Dies ist flächendeckend die größte Veränderung von bestehenden Strukturen seit den letzten 65 Jahren. Im Zuge der Errichtung der ILSen wird in Bayern erstmals gemeinschaftlich eine flächendeckende
Alarmierungsplanung nach einheitlichem Standard durchgeführt. Diese darf nach ministerieller Vorgabe keine Verwaltungsgrenzen mehr enthalten. Ziel der Planer muss es sein, dass jederzeit das
nächste geeignete und verfügbare Einsatzmittel entsendet wird.
Durch die konsequente – nicht auch zuletzt gesetzliche - Teilung der Aufgaben „Brandschutz“ und „Rettungsdienst“, ergab sich über die Jahrzehnte hinweg seit Kriegsende
1945 eine mannigfaltige, kleinräumige Alarmierungs- und Leitstellenstruktur. Historisch bedingt entwickelte sich die Gefahrenabwehr in Bayern gemäß den Vorgaben der amerikanischen Militärregierung
somit getrennt voneinander.
Die Bezeichnung „Integrierte Leitstelle Bayreuth/Kulmbach“ drückt gleichermaßen aus, dass es sich nicht nur um eine fachliche Zusammenführung und Kooperation, sondern auch um ein
räumliches Gemeinschaftsprojekt der drei beteiligten Gebietskörperschaften in der Region handelt.
Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach, als ureigener gesetzlicher Aufgabenträger, übertrug die Aufgabe der Errichtung und des späteren Betriebes an den
Kreisverband Bayreuth des Bayerischen Roten Kreuzes. Dieser ist seit 2008 auch Betreiber der ehemals vom BRK Landesverband betriebenen Rettungsleitstelle und allen als verlässlicher Partner
bekannt.
Die gemeinschaftliche Planung und Realisierung eines „regionalen Gefahrenabwehrzentrums“ ist in dieser Größenordnung bisher einmalig in unserem hiesigen Leitstellenbereich. Sie ist
zugleich aber auch ein Symbol für die immer mehr in den Mittelpunkt rückende Zusammenarbeit von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und dem THW.
Die Planer der Stadt Bayreuth, allen voran unser Architekt Holger Leverentz und Baudirektor Norbert Will haben in enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem BRK Kreisverband Bayreuth
gemeinsam und intensiv an den Planungen gearbeitet.
In der Projektgruppe 2 – „Gebäude“, sitzen seit Mitte 2008 neben den beiden Bauherren BRK und Stadt Bayreuth auch eine Vielzahl von Fachplanern und Vertreter der ständigen
Feuerwache am Tisch. In einer Vielzahl von Besprechungen galt es die Besonderheiten dieser bisher einmaligen „Wohngemeinschaft“ von Feuerwehr und Leitstelle sowie Ehren- und Hauptamt
gebührend zu berücksichtigen. Hierbei floss der Sachverstand aller Beteiligten in das Projekt ein.
Es wurde also nicht unter Zeitdruck mit heißer Nadel gestrickt, sondern sorgfältig und strategisch geplant. Ein Projekt gemäß seiner klassischen Definition hat als wesentliches Kriterium immer
einen „neu- und erstmaligen“ Charakter. Um hierbei mögliche Stolpersteine frühzeitig erkennen zu können, besuchte das Projektteam um Markus Ruckdeschel und Martin Fiedler einige andere
bayerische Leitstellen. Die Erkenntnisse von dort konnten im Nachgang gewinnbringend in die örtlichen Planungen eingebracht werden.
Die künftige ILS Bayreuth/Kulmbach steht insgesamt auf vier Säulen. An dieser Stelle sind diese aber nicht baulich, sondern aufgabenorganisatorisch zu verstehen.
Neben den beiden Hauptaufgaben Brandschutz und Rettungsdienst gewinnt die aktive Mitwirkung im Katastrophenschutz sowie der behördliche Charakter der Leitstelle zunehmend an Bedeutung.
Die drei Kreisverwaltungsbehörden als örtlich zuständige Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden sind über die ILS auch außerhalb der büroüblichen Zeiten alarmierbar. Die ILS fungiert für
Sie per gesetzlichen Auftrag als Meldekopf.
In Not geratene Bürger, aber auch die Vielzahl von Einsatzkräften und Behörden, sowie alle anderen Partner unserer täglichen Zusammenarbeit haben künftig eine gemeinsame Leitstelle als zentralen
Ansprechpartner.
Hierbei gewinnt der Charakter als kundenorientierter Servicedienstleister immer mehr an Bedeutung.
265.000 Bürger aus unseren insgesamt 56 Gemeinden, Märkten und Städten erreichen ab Inbetriebnahme unter der europaweit einheitlichen Notrufnummer 112 kompetente und schnelle Hilfe als einer
Hand.
Eine Fläche von rund 643 qm bietet auf drei Ebenen genügend Platz für vier Technikräume, Sozialräume, zwei Büros, einen kleinen Stabs- und Schulungsraum sowie die eigentlichen
Leitstellenbetriebsräume.

Die Graphik zeigt die Ansicht des Erweiterungsbau von der Straße aus (grau). Rechts in weiß das Bestehende Gebäude der Feuerwache (Hochbauamt der Stadt
Bayreuth)
An insgesamt fünf Einsatzleitplätzen und sechs weiteren Ausnahmeabfrageplätzen werden künftig die Einsätze der Feuerwehren, des Berg-, Land-, Luft- und Wasserrettungsdienstes sowie des technischen
Hilfswerkes aus einer Hand koordiniert.

Raumsimulation ILS Bayreuth/Kulmbach (Ingenieurbüro Bernd Appel)

Raumsimulation ILS Bayreuth/Kulmbach (Ingenieurbüro Bernd Appel)
Unsere vielen unermüdlichen Leistungsträger bei den freiwilligen Feuerwehren und den Hilfsorganisationen werden von der Projektleitung aktiv in die Realisierung eingebunden. Auch Ihnen gilt bereits
jetzt unser herzlicher Dank für die Vielzahl an ehrenamtlich geleisteten Stunden der Unterstützung. Ohne das Engagement wäre die flächendeckende Datenerhebung und Alarmierungsneuplanung nicht
möglich!
Neben dem Bauwerk „an der Feuerwache“ gibt es noch eine Vielzahl weiterer Teilprojekte der ILS. Bis zur Inbetriebnahme gilt es noch eine Vielzahl an Aufgaben gemeinsam zu
bewältigen.
Es müssen die Alarmplanungen für Feuerwehr und Rettungsdienst fertig gestellt und vorab getestet werden. Hierfür muss eine Vielzahl notwendiger Stammdaten auf dem Server vor Ort erfasst
werden. Darüber hinaus werden rund 1500 Ortsteile im digitalen Kartensystem (GIS) akribisch gezeichnet. Rund 300 bestehende Brandmeldeanlagen müssen in der Leitstelle aufgeschaltet werden.

Die Graphik zeigt die künftige Stirnseite - der Erweiterungsbau ist in grau dargestellt (Hochbauamt der Stadt Bayreuth)
Neben der Ausbildung der UG-ILS durchlaufen alle unsere hauptberuflichen Mitarbeiter die berufsmäßige Feuerwehranpassungsausbildung bei den bayerischen Berufsfeuerwehren und den drei staatlichen
Feuerwehrschulen in Regensburg, Würzburg und Geretsried. Hierbei haben unsere Disponenten zum aktuellen Zeitpunkt bereits rund die Hälfte des Fortbildungspensums mit Erfolg absolviert.
Vor wenigen Tagen ging die Leitstelle Bamberg/Forchheim nach Hof als zweite oberfränkische ILS in den Vollbetrieb. Noch im Jahr 2010 folgt die benachbarte Leitstelle Coburg und im zweiten Quartal
2011 dann unsere Leitstelle mit dem Sitz in Bayreuth - wie seinerzeit (1980) die Rettungsleitstelle als vierte in Oberfranken.
Das Bild zeigt das Areal, auf dem die Integrierte Leitstelle und der Erweiterungsbau der Feuerwache errichtet wird
Wenn heute beim Spatenstich und später vor unserer Leitstelle vier Fahnen wehen, dann ist dass ein passendes Symbol für den regionalen Schulterschluß unserer Landkreise Kulmbach und Bayreuth sowie
der Stadt Bayreuth. Darüber hinaus auch das Zeichen für einen verlässlichen Partner in Form des Bayerischen Roten Kreuzes.
Die Leitstelle Bayreuth wird für unsere Bürger und Einsatzkräfte mittelfristig als ein gemeinschaftlicher Servicedienstleister zu einem zentralen und unverzichtbaren Bestandteil der modernen
Gefahrenabwehr heranwachsen.
Bilder: BRK Kreisverband Bayreuth - Pressestelle Tobias Klug
Text: Markus Ruckdeschel














